Hofgeschichte

Der Höllwangen Hof

weist ein lange Tradition auf, schon vor 750 Jahren wurde der Hof zum ersten Male urkundlich erwähnt. Seit dieser Zeit hat sich am und um den Hof herum viel verändert.Im Jahr 1988 haben wir unseren Bauernhof auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Wir arbeiten nach den biologisch-dynamischen Grundsätze des Demeter-Bundes. Für uns bedeutet Ökologischer Landbau, mit Freude an der Landwirtschaft und der Natur arbeiten zu können. Dabei spielen die Begegnungen mit Menschen, die Erzeugung naturbelassener Nahrungsmittel, die artgerechte Tierhaltung und der schonende Umgang mit unserer Landschaft eine große Rolle. Diese Faktoren stellen die notwendigen Voraussetzungen zur Erhaltung und Bewahrung der Lebensgrundlagen für uns selbst und unsere Kinder dar.


  • 1226

    Der Hof findet seine erste urkundliche Erwähnung. Im Zusammenhang mit „Friderich de Hewang“, der als Zeuge bei einer Schlichtung aussagt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der Ort Hewang mit dem Ort Hewanc, dem späteren Höllwangen übereinstimmt. Alle anderen bei dieser Schlichtung Anwesenden kommen nachweislich aus der Gegend und es ist kein Ort aus dem weiten Umfeld bekannt, der ähnlich geschrieben wird.

    Namensherkunft Höllwangen: Die Bauern orientieren sich bei der Ortsbezeichnung an den landschaftlichen Gegebenheiten. Höllwangen leitet sich vermutlich aus den althochdeutschen Worten hel(l)= Halde(Abhang) und wanc= freies Feld ab, Freies Feld an der Halde. Tatsächlich heißt die Weide unterhalb des Hofes heute noch Halde.
  • 1300 bis 1513

    In der Zeit zwischen 1296 und 1302 werden die Obereigentümer des Hofes die Herren von Otterswang, Ulrich und Rudolf genannt.

    Jetzt ist der Hof vermutlich in Besitz des Klosters Salem, wird dann aber 1513 von der Kaplanei Jodokkirche an das Heilig Geist Spital zu Überlingen verkauft. Genaueres ist aus dieser Zwischenzeit nicht bekannt.
  • 1513 bis 1859

    Hof Höllwangen ist in Besitz des Heilig Geist Spitals zu Überlingen.

    Die Bewirtschafter wechseln im Lauf dieser Zeit häufig. Die Bauern müssen sich in Leibeigenschaft des Spitals begeben, um belehnt zu werden. Die Bauern erhalten dann einen Hof und Land zum Bewirtschaften, auch begehrten Wald, vom Spital in verschiedenen Formen verliehen.

    Ein Höllwanger Bauer muss im Jahre 1621 folgende Abgaben („Zehnte“) abführen:
    6 Malter Veesen (Dinkel), 3 Malter Hafer, 3 Malter Roggen, 3 Pfund Pfennig Zins, 10 Hühner, eine Hofhenne und ein Viertel Eier (1 Malter Veesen entspricht 202 kg (ungefähr 50 Garben); 1 Pfund Pfennig entspricht 12 Pfennige; 1 Viertel Eier entspricht 120 Stück)

    Zum Ende des 30jährigen Krieges 1648 sind die Hofgbäude völlig zerstört.

    „Hof und Gut“ werden nun an einen Hödinger verliehen.

    Nachdem dieser Landwirt zur weiteren Nutzung des Hofes und dem Neuanfang einen sogenannten „Bauschilling“ vom Spital bekommt, diesen aber nicht zum Bau eines Gebäudes verwendet, muss der Schwiegersohn diese Vereinbarung erfüllen und laut Übergabevertrag den Bau innerhalb 3er Jahre ab dem Jahr 1664 vollziehen. Ansonsten werde an „Frucht sovil getröst zubehalten werden, bis nach erkanntnüs der Pauschilling bezahlt sein würdet.“ Er erbaut die „alte Scheune“, die heute immer noch genutzt wird.
  • 1774

    Das Spital ist in Nöten! Es müssen viele Menschen in den Armenhäusern versorgt werden, auch in Höllwangen sieht es schlecht aus: Der Hof geht pleite und wird kurzzeitig direkt durch das Personal des Spitals bewirtschaftet. Grund waren Mißernten (Trockenheit) und die zu hohen Steuern der vergangenen Jahre.

    Das Gesamte Vermögen des Hofes wird verpfändet.

    Bei dieser Verpfändung wurde jeder einzelne Gegenstand des Hofes aufgelistet.

Bauernbefreiung: Aufhebung der Leibeigenschaft und Ablösen des Zehnten Der Hof wird privatisiert:

- Johann Georg Keller (Bewirtschafter seit 1820) kauft den Hof.
- Dafür muss er 5762 Gulden innerhalb von 10 Jahren mit 5% Zins zahlen, um sich und den Hof aus der herrschaftlichen Abhängigkeit zu befreien – Eigentum entsteht.
- Die vormals herrschaftliche Abhängigkeit führt in eine wirtschaftliche Abhängigkeit.
- Die Erben verschulden sich bei den Geldgebern und konnten ihre Zinsen nicht zurückzahlen und müssen den Hof 1875 verkaufen.

  • 1868 in der Umgebung

    Im Nachbarort Hödingen lebten 1868 folgende Tiere: 27 Pferde, 279 Stück Rindvieh, 112 Schweine und 35 Ziegen.
  • 1875

    Die Familien Lorenz Kessler und Peter Niedermann kaufen den Betrieb gemeinsam per Tauschvertrag. Die Gesamtfläche beträgt 46 ha nach Zukauf von weiteren Flächen.
    Gemeinsam bewirtschaften sie den nahezu arrondierten Betrieb bis 1884 und erbauen eine weitere gleichwertige Hofstelle mit Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude, Backhaus und Schweinestall. 1884 teilen sie die Flächen, es wird getrennt gewirtschaftet.
    Seitdem gibt es in Höllwangen zwei getrennt geführte Hofstellen.
    Von beiden Höfen genutzt wird auch heute noch die „alte Scheune“.
    Die Entwicklung des Hofes ist jetzt keine gemeinsame mehr.
    Heute pachtet die Hof Höllwangen eG die am Hof liegenden Weide- und Ackerflächen des Nachbarhofes.
  • 1902

    Der Hof brennt außer der „alten Scheune“ total ab. Der Wiederaufbau von Wohnhaus mit Stall (altes Bauernhaus, heute zum Großteil Ferienwohnungen), Backstube, Holzschopf und Schweinestall geschieht in den nächsten 5 Jahren.
  • 1950er Jahre

    Der erste Mähdrescher in Höllwangen wird gekauft.
  • 1958

    Die Nutzfläche in Höllwangen beträgt 20 ha, davon 4 ha zugepachtet.
    Es folgen Umbauten im Stall, Bau einer Garage, eines Tieflaufstalles, mehrere Anbauten und 2 kleinere Silos.
  • 1968

    Bau des Rindviehstalles (heute noch als Heulager benutzt) und 2 Hochsilos
    Nutzfläche erhöht sich durch Zupacht auf 24 ha.
  • 1982

    Die Nutzfläche des Hofes beläuft sich jetzt auf 38 ha.
    Der Altenteiler „Höllwangen 13“ ist fertiggestellt.

Die Bewirtschaftungsform wird auf biologisch-dynamisch umgestellt

  • Betriebsspiegel 1990

    88 ha bewirtschaftete Fläche (Acker- und Futterbau, Hausgarten)
    Milchviehbetrieb mit wachsendem Gemüsebau und Ackerfrüchten vorwiegend für die Direktvermarktung
    45 Kühe und Nachzucht, 36 Schweine
    Großfamilie
    Lehrlingsausbildung in Verbindung mit der freien Landbauschule Bodensee
    3 Ferienwohnungen
  • 1990er Jahre in der Umgebung

    In Hödingen gibt es noch 24 Landwirte, 4 davon im Vollerwerb, Höllwangen mit eingerechnet.

1996

Klaus Niedermann übernimmt den gesamten Betrieb, der nun in der 5. Generation als Familienbetrieb geführt wird. Der Hof orientiert sich auf Vielseitigkeit

  • 2000

    Der neue Stall ist fertiggestellt, es wird im Fischgrätenmelkstand gemolken.
    Platz für 100 Tiere ist geschaffen.
  • September 2009

    Die Anfang 2009 gegründete Hof Höllwangen GbR wird aufgelöst.
    Der Betrieb wird vorrübergehend als Familienbetrieb weitergeführt
  • Juli 2013

    Gründung der Hof Höllwangen eG.
    Die Genossenschaft pachtet den gesamten Betrieb und kann alle
    Pachtverträge der fremdzugepachteten Flächen übernehmen.
    Wir arbeiten auf gleichberechtigter Basis miteinander.
  • Mai 2016

    Das bäuerliche Eigentum wird an den gemeinnützigen Mercurialis e.V. mit unselbstständiger Stiftung übertragen.

Betriebsspiegel 2017

140 ha bewirtschaftete Fläche (davon ca. 12 ha Kartoffeln, 5 ha Zwiebeln, 2 ha Chicoréewurzeln)
Feingemüse vorwiegend zur Selbstversorgung
60 Kühe und Nachzucht
5 Schweine
4 Ferienwohnungen
3 Familien, 1 Geselle, 2 Mitarbeiter auf 450€-Basis, 2 Auszubildende, 1 FÖJler, Praktikanten

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